DPV-Frühjahrstagung 2019: Gegenwart des Unheimlichen – unheimliche Gegenwart. Klinische, ästhetische und gesellschaftliche Perspektiven 100 Jahre nach Freud

Beschreibung

EINLADUNG ZUR FRÜHJAHRSTAGUNG 2019

Liebe Kolleginnen und Kollegen, liebe Gäste,

Da Freuds Essay "Das Unheimliche“ in diesem Jahr sein hundertjähriges Jubiläum feiert, möchten wir unsere Frühjahrstagung diesem vielschichtigen Konzept widmen. Unter dem Titel „Das Unheimliche in der Gegenwart - Die Gegenwart des
Unheimlichen“ werden wir auf dieser Tagung der Bedeutung des Unheimlichen unter klinischen, kulturellen, ästhetischen und sozialen Gesichtspunkten nachgehen. Lange Zeit wurde - mit Ausnahme von Lacan - nicht viel über das Unheimliche gesprochen. Freuds Aufsatz schien in eine Nischenexistenz verbannt. Dies änderte sich erst in den 1980er und 1990er Jahren, nicht nur in den Kunst- und Kulturwissenschaften, sondern auch in neueren psychoanalytischen Konzepten.

Wir leben in einem „Haus, in dem es spukt“, schrieb Freud 1919 über das Unheimliche. Auf den ersten Blick scheinen unheimliche Phänomene vielleicht nebensächlich. Wenn wir uns aber näher auf sie einzulassen versuchen, entdecken wir wichtige klinische Phänomene: Die Ambivalenz zwischen sich lebendig und sich unlebendig zu fühlen, zwischen Präsenz und Abwesenheit, zwischen Ich und Nicht-Ich. Es kann um ein unheimliches Begehren oder um unheimliche Triebziele gehen. Oft sind es Erscheinungen, die nur schwer gedacht, gefühlt und in Worte gefasst werden können. Unheimliche Augenblicke sind oftmals restrukturierende Erfahrungen und eine Analyse lebt gerade von diesen Momenten, in denen das zunächst Undenkbare Platz findet. Aber sind alle diese restrukturierenden Momente unheimlich? Was unterscheidet angstvolle von den unheimlichen Momenten? Welche Rolle spielt die von Psychoanalytikern so oft vergessene Ästhetik? Allein die räumliche Anordnung unserer Praxen, mit der Couch und dem Sessel im Hintergrund, wirkt bereits als ästhetische Erfahrung, die vom Patienten mit dem Unheimlichen in Verbindung gebracht werden kann.

Bereits angesichts dieser wenigen Fragen scheint es denkbar, dass es bei dem Konzept des Unheimlichen um mehr als um Verdrängung gehen muss. Wir stoßen psychoanalytisch auf grundsätzliche Konzepte: die Fragen nach der Struktur der
Psyche und nach der Entstehung des Subjektes. Wir möchten Sie einladen, mit uns über das Unheimliche in seinen vielfältigen klinischen, konzeptuellen, gesellschafts-politischen und ästhetischen Aspekten nachzudenken. Wir werden diese intertextuell betrachten und über unsere Gegenwart nachdenken können. Denn stehen wir politisch mit dem neuen Populismus oder gesellschaftlich mit der Revolution der neuen Medien nicht vor – oder schon längst inmitten – einer unheimlichen Gegenwart?

Die drei Hauptvorträge von Charles Mendes de Leon (Schweiz), Philipp Soldt (Bremen) und Raymond Borens (Schweiz) befassen sich mit theoretisch-konzeptionellen, klinischen und ästhetischen Aspekten des Unheimlichen. Im weiteren Programm können Sie die Vielfalt des Themas erkennen und Sie werden klinische, konzeptuelle und kulturelle Veranstaltungen zum Unheimlichen finden.

Gleichzeitig müssen wir uns auch weiterhin mit dem Einfluss berufspolitischer Fragen innerhalb unserer Gesellschaft auseinandersetzen. Der Beschluss der IPA zur Veränderung des Eitingon-Modells sowie die anstehende Novellierung des
Psychotherapeutengesetzes mit dem aktuellen Referentenentwurf haben weitreichende Folgen für die Zukunft der DPV. Um die in Bad Homburg begonnene Diskussion zu diesen wichtigen Fragen mit Ihnen fortsetzen zu können, hat der Geschäftsführende Vorstand der DPV wiederum vier Sonderveranstaltungen zur „Zukunft der DPV“ auf dieser Frühjahrstagung organisiert. Zu diesen Veranstaltungen möchten wir Sie ebenfalls herzlich einladen.

Isabel Bataller Bautista Maria Johne
Vorsitzende der BPV Vorsitzende der DPV
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